College Großbritannien (West Worthing)

Wie ich auf einen Auslandsaufenthalt gekommen bin, weiß ich selber nicht mehr genau. Ich glaube meine Eltern haben mir diese Idee vorgeschlagen und nach einiger Zeit fand ich diese richtig gut und wollte erst einmal drei Monate nach England. Wenn es mir gefiele könnte ich ja noch länger bleiben. Danach wollte ich unbedingt nicht die 10. Klasse wiederholen sondern im nächsten Jahr in die 11. gehen, da mir der Schulstoff relativ leicht fällt und ich bei meinen Freunden bleiben wollte. So war also der Plan nur maximal ein Halbes Jahr weg zubleiben.
Ende August startete mein Flug. Da war ich sehr aufgeregt, weil man keine wirkliche Vorstellung hatte, was da jetzt tatsächlich auf einen zu kommt. Komplikationen gab es schon beim Abholen vom Flughafen. Der Fahrer kam später als angegeben, weshalb ich etwas in Panik geriet und die Notfallnummer anrief. Da war aber nur ein Anrufbeantworter dran. Nach einiger Wartezeit habe ich dann einen Mann mit einem Schild mit der Aufschrift von der englischen Organisation – HSI – entdeckt und er hat mich zu einem neuen Zuhause gebracht

Meine Familie bestand aus einem etwas älteren Ehepaar, wessen Kinder schon erwachsen und ausgezogen waren. Wir wohnten in einer Haushälfte, eingerichtet nach einer recht typischen englischen Art. Ich hatte ein kleines Zimmer mit einem Bett, einem Schrank und einer Kommode, was mir total ausgereicht hat. Unsere Gasteltern haben meine Gastschwester aus Italien und mich herzlich aufgenommen und behandelten uns wie ihre eigenen Kinder. Sie hatten schon Erfahrung mit Austauschschülern und dementsprechend viel Verständnis. Beide waren super lieb und wir wechselten ausschließlich freundliche Worte. Mein Gastvater hat für uns abends gekocht und freute sich, wenn es uns geschmeckt hat. Meine Gastschwester und ich unterschieden uns ziemlich, aber trotzdem hatten wir viel Spaß. Es war vor allem für die ersten Tage gut jemanden zu kennen der auch fremd war und im gleichen Haus wohnte. So konnten wir z.B. gemeinsam in der ersten Woche von der Schule nach Hause oder zum Supermarkt gehen und uns in England einleben.

Die Schule, die ich besuchte, war ein neu gebautes College mit großen Räumen, prima Ausstattung, viel Platz zum lernen, gute Organisation und sehr freundlichen Lehrern. Sie hatten für alle ausländischen Schüler in der Woche vor dem regulären Start Unterricht zum eingewöhnen veranstaltet. So konnte man die große - 2000 Schüler fassende - Schule erkunden. Der Unterricht fing frühestens um 8:30 Uhr an und hörte spätestens um 4:20 Uhr auf. Das war sehr schön, da man sowieso unter der Woche außer den Hausaufgaben nicht viel zu tun hatte. Die meisten Schüler haben 4-5 Fächer zu je 4 Stunden in der Woche belegt. Mit Mathe, Biologie, Geschichte und Englisch (IELTS) war ich gut bedient. Ich war zwar ungefähr 1-2 Jahre jünger als die meisten, aber der Schulstoff war von der Schwierigkeit her in Ordnung. Mathematik hat mir richtig Spaß gemacht und das Lerntempo war schneller als in Deutschland. In Biologie haben wir viele coole Experimente und praktische Dinge gemacht, die wirklich Freude gemacht haben. Geschichte war jedoch eine Herausforderung war, da Essays schreiben generell nicht meine Stärke ist und in und auf Englisch wider etwas anderes ist. Spannend war es trotzdem. Insgesamt habe ich viel dazu gelernt und vor allem mein Englisch deutlich verbessert. Auch die Lehrer waren begeistert und haben mich dabei unterstützt.

In der Vorweihnachtszeit gab es am College ein kleines Ensemble, das einmal in der Woche geprobt hat. Weil ich gerne Hobbies aufnehmen wollte, habe ich mit meiner Klarinette mitgespielt. Nach dem Auftritt habe ich mit zwei weiteren Klarinettisten im Trio weitergespielt.
Nach der Schule bin ich oft mit einer Freundin aus Brasilien im Hallenbad schwimmen gegangen oder ich war mit anderen Freundinnen in der Stadt bummeln. Es gab auch sonst genug Aktivitäten, die man machen konnte, sodass es nie langweilig wurde.

Freunde habe ich auch super schnell gefunden. Engländer sind sehr herzlich und nehmen einen auf, so wie man ist. Generell sind sie tolerant und stören sich nicht an Unterschiedlichkeiten der Mitmenschen. Jeder macht das, was er gerne will. Vor allem in Biologie und Mathe habe ich mehrere Freunde gefunden zu denen ich noch immer Kontakt halte. Aber auch meine Gastschwester und ein Mädchen aus Hongkong sind mir ans Herz gewachen. Es macht auf jeden Fall Freude sich mit anderen Kulturen auszutauschen und neue Kontakte auf der ganzen Welt zu knüpfen.

Weil mir all das so gut gefallen hatte, bin ich insgesamt zwei Terme in England geblieben. Ich habe die Zeit sehr genossen und viele Erfahrungen gesammelt. Außerdem entwickelt man sich zu einer selbständigen und unabhängigeren Person, da man seine Entscheidungen zum größten Teil selber zu treffen hat.

Auf jeden Fall würde ich einen Auslandsaufenthalt jedem weiterempfehlen der offen für alles ist und auch vor Umstellungen nicht zurückschreckt. Man lernt unheimlich viel für das eigene Leben dazu und die gewonnenen Erfahrungen waren sehr positiv. Ich würde so ein Unternehmen jederzeit wieder machen, denn für mich war es ein spannendes halbes Jahr, das ich nicht so schnell vergessen werde.