College USA - Gap Year am Green River College, Washington

Als ich Ende Juni 2017 nach etwas mehr als 9 Monaten aus Washington/USA zurückgekommen bin, bekam ich die Frage "Wie war es denn so?" unzählige Male zu hören. Ja, wie war es denn? Wie fasse ich jetzt in einigen Sätzen die unfassbar vielen Höhen und die einigen - aber gravierenden - Tiefen zusammen? Ich versuche es einfach mal.

Am 07. September 2016 bin ich nach 13 Stunden Flug in Seattle, Washington, dem nordwestlichsten Bundesstaat der USA, gelandet. Der Jetlag, immerhin sind es 9 Stunden Zeitunterschied zwischen der Westküste und Deutschland, ist definitiv nicht zu unterschätzen, genauso wenig wie das Heimweh.
Ja, die ersten Tage waren echt hart: fremdes Land, fremde Sprache und niemanden den man von Anfang an kennt. Das "International Programs" - Team des Green River College hat aber mit einer vielseitigen Orientierungswoche und einem Wochenendtrip schnell dafür gesorgt, dass sich alle neuen internationalen Studenten kennenlernen. Auch in den darauffolgenden neun Monaten hat sich das College sehr gut um jeden einzelnen von uns gekümmert und hat damit die Auszeichnung, das beste Programm für internationale Studenten in den USA zu haben (!), mehr als verdient!

In dieser ersten Woche habe ich auch viele Leute aus ganz Europa und anderen Teilen der Welt kennen gelernt, die während des Jahres zum Teil zu meinen besten Freunden geworden sind und mit Sicherheit für immer ein Teil meines Lebens bleiben werden. Während unserer Zeit haben wir viele - zum Teil sehr spontane - Reisen innerhalb den USA und nach Kanada unternommen, haben zusammen für Prüfungen, die im übrigen nicht zu unterschätzen sind, gelernt und, da es an diesem College die Möglichkeit gibt auf dem Campus zu leben auch zusammen gewohnt. Und ehe ich mich versah sind diese Menschen zu einer Art großen Familie und Washington zu meinem zweiten Zuhause geworden.

Das College an sich ist super modern und großzügig und auch das Studienangebot lässt keine Wünsche offen. Wie an den meisten anderen Colleges auch, hat jeder Student einen "Advisor", der einen bezüglich der Wahl der Kurse und der akademischen Planung des gesamten Aufenthalts berät. Das hat sich sich als sehr nützlich erwiesen, denn das amerikanische Schulsystem unterscheidet sich doch sehr von dem hier in Deutschland.

Auch das Wohnen in den "Dorms", die direkt neben dem Schulgelände liegen, kann ich nur empfehlen. Man lebt in einem Apartment mit drei weiteren, meist auch internationalen Studenten, zusammen, allerdings hat jeder sein eigens Zimmer, was echt toll ist, wenn man mal ein bisschenZeit für sich haben möchte. Aufgrund der kurzen Distanzen zwischen den einzelnen Häusern bilden sich schnell Freundschaften und durch viele, von den Leitern und Studenten organisierte Events findet man einfach Anschluss an die Gemeinschaft.

Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich mich mit Hilfe meiner Freunde, des College und auch den Leuten die die "Dorms" leiten, sehr zügig und problemlos eingelebt habe und auch Scheu vor der neuen, zum Teil sehr gewöhnungsbedürftigen Kultur schnell verloren habe. Und wenn man erstmal seine Rhythmus zwischen Schule, Lernen und dem selbst-versorgen gefunden hat, fliegt die Zeit nur so dahin und ehe ich mich versah, waren meine 9 aufregenden und lehrreichen Monate auch schon vorbei...Eine Zeit die ich mit Sicherheit nie vergessen werde!

Auf jeden Fall! Am besten wäre es, wenn jeder irgendwann mal die Möglichkeit hätte, eine solche Erfahrung zu machen und ich bin unendlich dankbar, dass ich die Möglichkeit dazu hatte.

Klar, am Anfang ist es hart plötzlich auf sich alleine gestellt zu sein (wenn man in den Dorms wohnt ist das natürlich noch heftiger als wenn man eine Gastfamilie hat) ... Es gibt von einem Tag auf den anderen keinen mehr der für einen  einkauft, putzt oder die Wäsche macht. Kurz: man lernt für sich zu sorgen, man wird erwachsen.

Außerdem lernt man eine Menge über sich selbst, denn das College gibt einem die Möglichkeit alle möglichen Studiengänge auszuprobieren und zu herauszufinden, wo man später im Leben vielleicht einmal hinwill. Aus genau diesem Grund bin ich auch in die USA gegangen...jetzt kann ich sagen, dass ich meinen Weg gefunden habe und darauf bin ich auch sehr stolz.

Für eine Zeit in einem anderen Land zu leben erweitert meiner Meinung nach den eigenen Horizont ungemein, man wird weltoffener und lernt andere Kulturen und Lebensweisen kennen, was in der heutigen Zeit einfach sehr wichtig ist.

Und natürlich lernt man nirgendwo eine Fremdsprache so gut, wie in einem Land in dem sie gesprochen wird. Ich habe vorher schon gutes Schulenglisch gesprochen, aber jetzt habe ich das Gefühl die Sprache so fließend zu beherrschen wie meine Muttersprache. Und auch das ist in dieser Zeit von immer größerer Bedeutung.

Abschließend kann ich sagen, dass ich von diesem Jahr rundum profitiert habe und ich kann jedem, der die Möglichkeit hat, nur empfehlen, seinen Mut zusammen zu nehmen, ins kalte Wasser zu springen und sich auf ein solches Auslandsjahr einzulassen. Es ist die Mühe, den Aufwand und die Überwindung definitiv wert!