High School Australien (New South Wales)

Kurz vor meiner Abreise war ich mehr als aufgerergt, jetzt kam er auf einmal so nah, der Traum den ich seit Monaten träumt, lag direkt vor mir. Schon in ein paar Tagen sollte es losgehen.

Anfangs hatte ich zwar Bedenken, denn ich wusste nicht, ob ich es auf dem großen Kontinent am anderen Ende der Welt so ganz alleine aushalten würde, doch die Vorfreude überwog letztendlich und ich konnte es kaum noch erwarten, endlich die 23 Stunden Flug nach Sydney hinter mich zu bringen. Der Flug war zwar anstrengend, aber die Leute um mich herum waren super nett, so dass ich die Zeit bald vergessen hatte. In Sydney angekommen, holte mich ein Fahrer der Gastfamilienorganisation ab, was wunderbar klappte, und nach 1 Stunde Fahrt waren wir in Avalon (einem Ort an den Northern Beaches von Sydney) angekommen. Hier sollte es also sein, dieses hübsche kleine örtchen direkt am Meer sollte für die nächsten 6 Monate mein zuhause sein, ich konnte mein Glück kaum fassen.

Als sich dann auch noch die Gastfamilie als sehr herzlich und offen herrausstelle war ich überglücklich und hundemüde von meinem ersten Tag am anderen Ende der Welt.

In der ersten Woche hatte ich Zeit, meine neue Heimat in Ruhe zu erkunden. Da Avalon an sich relativ klein ist, konnte ich mich erstmal wunderbar zu Fuß umschauen. Meine Gastmutter hatte mir eine kleine Führung der Northern Beaches per Auto angeboten, die ich dankend annahm.

Bei dieser Tour wurde mir erstmal richtig klar, was für eine traumhaft schöne Gegend die Northern Beaches sind, sie bestehen aus 10 kleinen Orten mit jeweils einem Zentrum, die hintereinander an der Küste von Sydney bis nach Palm Beach aufgereiht sind. Diese Orte sind durch eine lange Küstenstraße verbunden, die fast bis nach Sydney führt und somit das Hin-und Herfahren zwischen den einzelnen Orten oder in die Stadt Sydney sehr einfach macht. Die Northern Beaches sind schon dem Namen nach für ihre traumhaften Strände berühmt, von welchen es in jedem Ort einen gibt und man selten mehr als 10 Minuten dorthin gehen muss. Bei mir lag Bilgola Beach direkt vor der Nase, weil ich auf der Grenze zwischen Avalon und Bilgola gewohnt habe.

Der Strand ist - wie alle in dieser Region -ein reiner Sandstrand zwischen zwei Klippen, welcher naturbelassen und ruhig ist. Trotzdem bietet er sehr viel: Natürlich das offene Meer, in welchem man sich aber aufgrund der hohen Wellen eher nur zum Surfen aufhalten sollte und einen so genannten Rockpool, ein Pool der aus Naturfels besteht und unten in die Klippe eingehauen ist, er wird durch die Brandung mit Meerwasser gefüllt und man kann herrlich darin schwimmen. Das Meer an sich ist für die Leute, die dort wohnen, ja kaum noch etwas besonderes, sondern das Leben am und mit dem Wasser ist dort zu so einer Art Lebensphilosophie geworden.

Eine Woche nach meiner Ankunft begann die Schule, einen Tag vor dem ersten Schultag fuhr ich mit meiner Gastmutter in den schuleigenen Uniform-Shop, denn ich musste ja ausgerüstet werden für die nächsten 6 Monate. Zuerst fand ich die Uniform zugegebenerweise etwas ungewöhnlich, doch ich sollte mich schnell daran gewöhnen. Später erschien sie mir sogar als sehr angenehm, denn in Australien ist es ganz normal, dass man an den Schulen eine Uniform trägt, sie ist vorgeschrieben.

Der erste Schultag begann mit der Anmeldung im Sekretariat, nun war ich offiziell Schülerin der Barrenjoey Highschool. Danach gab es für die ganze Schule eine Rede des stellvertretenden Schulleiters, der sich dann hinterher nochmal gesondert an meine Stufe richtete und eine Einführung in die Oberstufe gab. Danach musste ich nur noch meinen Stundenplan zusammenstellen und hatte auch schon sofort Unterricht.

Die ersten Wochen Schule waren sehr spannend, denn es war ja immer noch alles fremd, meine Mitschüler, der Unterricht, die Lehrer, manche Fächer, die ich von zu hause nicht kannte, z.B. legal studies (Rechtskunde), die Verhaltensweisen und Regeln in der Schule und nicht zu vergessen die Sprache, in der alles ablief. Mein Englisch war zwar von Anfang an nicht schlecht und ich konnte mich auch verständigen und kam zurecht, aber eine wirkliche Konversation ohne zu übersetzen und hin und her zu überlegen war nur bedingt möglich. Die Australier waren aber sehr offen und geduldig, was dies anging und bemühten sich auch, deutlich zu sprechen.

Nach ein paar Wochen fing ich langsam an, mich an das Leben in Down Under zu gewöhnen und ich hatte auch schon ein paar Freunde, mit denen ich einmal die Woche etwas unternehmen konnte, richtig enge Freundschaften sollten sich aber erst nach zwei Monaten ergeben.

Wir gingen in eine der beiden Shopping Malls, trafen uns in Avalon am Strand oder machten das super gute thailändische Restaurant in Avalon unsicher. Womit ich beim Thema Essen wäre: Die Australier essen generell mittags wenig und meistens kalt, erst abends gibt es eine große Mahlzeit für die ganze Familie. Das Essen ist sehr multikulturell, hat sehr viele amerikanische und asiatische, aber auch italienische Aspekte und es ist eigentlich immer für jeden etwas dabei. Man muss keine Angst haben, dass man in Australien so Dinge wie Schlangen oder Krokodile serviert bekommt. Es gibt zwar Delikatessen-Restaurants, die Känguru oder Krokodil anbieten, aber in den normalen Familien habe ich so etwas zumindest in New South Wales nicht erlebt.

Die Tiere und die ganze Umwelt an sich ist natürlich ganz anders als in Mitteleuropa. Ja, es gibt auch gefährliche Tiere , vor denen man Respekt haben sollte, auf die man aber nicht panisch reagieren muss, denn im Alltag werden sie einem eh nur sehr selten begegnen. Angegriffen wird ein Mensch von den Spinnen und Schlangen in Sydney auch nicht, wenn er eine gewisse Vorsicht und Nachsicht an den Tag legt. Die Spinnen sind dort zum Besipiel viel größer als hier, tun aber zum größten Teil nur den Mücken etwas zu leide, was auch echt gut ist, denn die können einen in der warmen Jahreszeit schon ziemlich quälen.

Ganz besonders fasziniert haben mich aber die Vögel, man hört dort auf der Strasse nicht das typische Vogelgezwitscher, wie wir das kennen, sondern ganz verschiedene Töne, die man so noch gar nicht gehört hat und die einem am Anfang so manchen Schlaf rauben können, die australischen Vögel scheinen nämlich alle schwerhörig zu sein.