High School/Internat Großbritannien (Cornwall)

Die Engländer finden England prinzipiell gut: Wir sind höflich, der Tee schmeckt gut und wir haben eine gute Rugby Mannschaft. Von daher wurde ich eigentlich nie gefragt, warum ich nach England gekommen sei (wobei sie selbst meinten es gäbe ja Orte mit besserem Wetter), sondern viel mehr warum ich mir gerade Cornwall ausgesucht hatte. Da gäbe es doch London oder die großen Städte an der Südküste, wie war ich also auf die Idee gekommen in den letzten Zipfel Englands zu fahren und dort ein halbes Jahr in einer City zu verbringen, die sowohl die einzige in Corwall war, als auch ihren Namen "City" nur trug, weil sie eine große Kathedrale hatte? Diese Fragen begleiteten mich auf dem Weg nach Truro, Cornwall.

In Cornwall angekommen, konnte man mir diese Frage natürlich sofort beantworten: Hier sei es viel persönlicher, die Strände und das Wetter seien schöner und es wäre einfch "A different way of living". Und im Nachhinein kann ich nur sagen, dass all die Antworten auf jeden Fall stimmen und es keinen Ort gegeben hätte, an dem ich diese 4 Monate lieber verbracht hätte!

Als ich am Flughafen in Newquay aus meinem 30 Personen Flugzeug ausstieg, hatte mir das Internat meiner Schule, der Truro School, schon ein Taxi bestellt, und bereits die Taxifahrerin erzählte mir alles über Gott und die Welt in Cornwall (wobei es sie nicht zu stören schien, dass ich ja eigentlich niemanden kannte) und blieb noch bis zu meinen eigentlichen Einzug in Internat dabei um zu helfen. Diese Hilfsbereitschaft begleitete mich durch meinen ganzen Aufenthalt in Truro, und war vor allem am Anfang eine riesige Hilfe.


Bei meiner Ankunft im Internat wurde ich direkt von den anderen Mädchen im Internat begrüßt und herumgeführt. Ich war viel zu aufgeregt, um viel zu verstehen, aber alle waren freundlich und ich zog in mein Zimmer ein, das sogar größer als mein Zimmer in Deutschland war und das ich mit einem anderen Mädchen teilte, mit dem ich mich sofort gut verstand, sodass wir als erstes die kompletten Wände mit Fotos, Bildern und Karten zupinnten, sodass das Zimmer schon viel persönlicher wirkte. Als wir ausgeräumt hatten lernten wir die anderen 26 Mädchen, die hier im Internat mit uns wohnten kennen und versuchten uns alle Namen zu merken, was irgendwie doch überraschend gut klappte.

Am Tag darauf ging das britisch Term auch schon los, allerdings zum Glück eine Stunde später als in Deutschland, sodass wir uns morgens immer erst um kurz vor 8 aus unseren Betten aufwühlten. Nach der morgendlichen Weckrunde ging es zum Frühstück, wobei wir erst zum Esssaal laufen mussten, der ober auf dem Berg des riesigen Campus lag. Das Essen war übrigens entgegen aller Gerüchte sehr viel besser als deutsches Schulessen. Jeder Unterrichtstag begann traditionell entweder mit der Assembly, einem Schultreff in der Sporthalle, einer Messe oder der Form, was eine Art Klassenlehrerstunde war in der ich meine Klasse besser kennenlernte und in der es morgens erstmal entspannt zuging. Danach verteilte sich alles auf dem Campus in die verschiedenen Departments, mit den jeweiligen Fachräumen. Die Unterrichtsstunden waren sehr persönlich und interessant und haben trotz eines sehr hohen Lernpensums eigentlich immer Spaß gemcht, da man sowohl seine Lehrer als auch seine Mitschüler sehr viel besser kannte. In meinen Klassen waren immer 3 bis 14 Schüler.

In der Mittagspause und nach der Schule gab es dann so ziemlich jede Aktivität, die man sich vorstellen konnte, wie auch in der Schule wurde hierbei Uniform getragen. Ich entschied mich für Cross Country, Surfen, Klavier und Badminton. Außer Klavier probierte ich damit nur neue Sportarten aus, was die Engländer aber alle sehr erfreute und sie zeigten und erklärten mir mit Begeisterung alles, sodass ich auch in den jeweiligen Clubs schnell Freunde fand. Das Besondere an der Truro School ist, das die meisten Schüler, also ca. 700 Tagesschüler sind und der Rest, also ca. 70 Schüler im Internat leben. Das tolle hierbei ist, dass es zum Beispiel nur ein Mädchenhaus gibt, das auch viel kleiner und familiärer ist als in anderen Internaten und man wirklich jeden kennt. Ich habe mich wirklich mit allen im Internat super gut verstanden und es war eher ein familiäres Umfeld. Wir machten Internatsgerüchten alle Ehre, diskutierten am Wochenende die Nächte durch und stahlen Nachtisch beim Essen. Ich finde unser Internat war auf jeden Fall anders als andere englische Internate von denen ich gehört habe und ein großer Vorteil war auch, dass bei uns kaum nichtenglischsprachige Schüler waren, jeder konnte mir also weiterhelfen und mein Englisch verbesserte sich sehr schnell. Die meisten Schüler hier kamen einfach aus England (die Tagesschüler sowieso), es gab aber auch Schüler aus Nigeria, Hongkong, Russland, Holland und Deutschland.

 
In meiner Stufe waren die meisten ein Jahr älter as ich, was sie mich aber überhaupt nicht bemerken ließen und auch hier fand ich sehr schnell gute Freunde. Nach der Schule ging ich also auch mit zu Freunden, die zuhause wohnten, in die wunderschöne Stadt in Truro, die nur eine Minute entfernt war, in der man aber so gut einaufen konnte, dass die Leute aus der ganzen Umgebung hierher kamen oder auch mit Freunden zum Sport, da es auf dem Campus unendliche Sportfelder gab. Am Wochenende war ich meist am Strand, auch unser Training für Cross Country und Surfen fand dort statt oder wir machten Ausflüge mit dem Boarding House. Wir gingen auch alle zusammen surfen, Lazer Quest spielen, shoppen, an den Strand, Eislaufen und ins Kino, das doch sehr anders war als die, die ich vorher gesehen hatte: ca. 20 Plätze und einen Stand für Popcorn und Schokolade, aber alle liebten es dorthin zu gehen und ich ging schon in der ersten Woche mal in den neuen James Bond Film.

In den Ferien wohnte ich dann bei meinen Gasteltern, mit denen ich mich sofort gut verstand und mit denen ich mich auch öfter nach der Schule oder am Wochenende traf. Da sie beide sehr jung waren und einen ähnlichen Geschmack hatten, schauten wir viele Filme, gingen einkaufen und flogen sogar zusammen in den Urlaub. Daher verbrachten wir 3 Tage auf den Isles of Scilly, wo ich auch andere Internatsschülern traf, die hier wohnten. Wir flogen mit einem 8 Personenflugzeug, das von einer Weide aus startete, was auf jeden Fall eines der besten Erlebnisse überhaupt war. Außerdem traf ich mich noch mit Freunden, wir fuhren in andere Städte in der Umgebung und ich besucht eine Freundin in Exeter. 

Da die Zeit rundum toll war, hatte ich bis auf die ersten Tage nie Heimweh, was den Abschied allerdings noch schwerer machte. In meiner letzten Woche erlebten ich noch den englischen Schulball und meine Klasse plante eine Art Abschiedsparty für mich. Das letzte Wochenende verbrachte ich dann noch mit meinen besten Freunden. Dann war meine Zeit in England auch schon vorbei und ich merkte, wie schnell sie vergangen war.
 
Ich würde es jedem auf jeden Fall empfehlen diese Erfahrung zu machen, da man so viel Neues erlebt und erfährt und wirklich gute und hoffentlich noch sehr langanhaltende Freundschaften knüpft. Ich denke die Truro School war die perfekte Schule für mich, da sie gleichzeitig traditionell britisch als auch modern, persönlich und familiär war. Ich habe seit ich wieder in Deutschland bin schon Besuch von ca. 8 Leuten bekommen und fahre in den nächsten Ferien wieder zu Besuch nach England. Ich denke niemand sollte es verpassen, diese Möglichkeit zu ergreifen, wenn sie sich anbietet. Ich habe ein neues Land und neue Menschen kennengelernt und ich weiß schon jetzt, dass ich in Zukunft wieder mal nach England zurückwill.

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