High School Irland (Kerry)

Schon auf der Fahrt zum Flughafen war ich unglaublich aufgeregt. Ich musste alleine fliegen und wusste nicht was mich erwarten würde. Dazu kam noch eine leichte Angst vor dem Flug, vor allem vor dem Start. Wollte ich überhaupt weg? Ich hatte doch zuhause alles was ich brauchte. Und doch wusste ich, ich würde es ewig bereuen, wenn ich es nicht tat nur weil Angst hatte. Ich versuchte mir selber einzureden, dass ich das schaffen würde. Wie schwer konnte es denn sein? Meine beste Freundin brachte mich zusammen mit meiner Familie zum Flughafen. Ich sah, dass bei ihnen die Tränen flossen. Sogar bei meiner großen Schwester! Doch selber weinen konnte ich nicht. Dazu war ich viel zu aufgeregt. Sobald die wunderschöne grüne irische Insel in Sicht kam, konnte ich meinen Blick nicht mehr vom Fenster lösen. Alles war so unglaublich wild und grün. Es war genau wie ich es mir vorgestellt hatte – nur noch besser. Berauscht fand ich meinen Weg aus dem Gate. Der Mann, der das Schild mit meinen Namen hochhielt konnte unmöglich mein Gastvater sein. Später stellte sich  heraus, dass es der Mann meines „local coordinators“ Mary war. Da war die Aufregung wieder da. Aber irgendwann am Ende eines endlosen Tages, den ich eigentlich nur damit verbracht hatte, die unendlich weiten irischen Wiesen anzustarren, wurde mir meine Gastfamilie vorgestellt. Zum Glück hatte ich eine irische Gastschwester und eine spanische, die am selben Tag wie ich angekommen war. Wir waren beide unsicher und in derselben fremden Situation. Erst sah ich sie als eine kleine Konkurrenz. Doch schnell legte ich dieses Denken ab und schloss Freundschaft mit ihr. Es gab zwar eine kleine Stadt bei uns in der Nähe, doch wir wohnten schon ziemlich weit draußen. Meine Gastfamilie hatte einen eigenen Reitstall und zwei andere Gastschüler wohnten in der Nähe also wurde es nie langweilig. Die Schuluniform war das erste vollkommen Fremde, das mir begegnete. 

Mein erster Tag in der Schule war schlimmer und zugleich besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Amaya, die Spanierin, war ein Jahr unter mir. Ich fasste den Entschluss, mir bald eigene Freunde zu suchen. Ich wollte nicht immer von meinen Gastgeschwistern abhängig sein. Es gab noch zwei andere Gastschüler in meinem Jahrgang. Eine Spanierin und eine Deutsche. Mit den Iren Freundschaft zu schließen fand ich schwieriger. Sobald die erste Neugier verflogen ist, ist man nicht wirklich mehr interessant. Aber ich schaffte es dann, nach wenigen Wochen eine feste Gruppe für die Pausen zu finden. Später unternahm ich auch oft etwas mit Freya, der deutschen Schülerin und Nora der Spanierin. Da ich auf einem Reiterhof wohnte und dort auch oft half, lernte ich viele andere Students kennen. Darunter auch eine andere Deutsche, die ich als meine erste richtige Freundin bezeichnen kann. Sie und Freya sind die, die ich am meisten vermisse seit ich wieder da bin. Am Wochenende machte ich meistens einen Ausflug in die nächstgelegen Stadt. Manchmal blieb ich auch über Nacht bei einer Freundin. Irland wurde zum Alltag. Ich skypte immer weniger mit meiner Familie und ich fühlte mich immer wohler. Die Wochen wurden zu Monaten. Viel zu schnell wusste ich, dass ich bald wieder nachhause fahren würde. Ich erlebte viel Positives und würde diese vier Monate als die besten meines Lebens bezeichnen. Natürlich kann nichts perfekt sein. Ein Höhepunkt  aber bildete die Fahrt nach Dublin. Der Abschied war dann das schlimmste. Ich musste wieder ins Unbekannte aufbrechen, denn das war Deutschland, mein Zuhause für mich geworden. Meine Abschiedsgeschenke werden immer einen Ehrenplatz in meinem Zimmer haben.

Ich kann den Aufenthalt auf jeden Fall weiter empfehlen. Auch wenn Irland als Land nicht für jeden geeignet ist. Ein Auslandsaufenthalt generell ist für jeden etwas. Freundschaften bekommen eine ganz andere Farbe. Zusammen in der Fremde klar zu kommen, schweißt einen in intensiver Weiße zusammen. Man kennt die Leute eigentlich gerade Mal ein paar Monate und doch hat man Gefühl, sich schon ewig zu kennen. Jeder der die Chance hat, sollte sie auf jeden Fall nutzen.