High School Italien (Toskana)

Mein Auslandsaufenthalt in bella italia liegt nun schon fast drei Monate zurück, dennoch denke ich immer noch sehr häufig und gern an die schöne Zeit dort zurück. Meine Gastfamilie lebte in Lucca (Toskana), einer sehr schönen Stadt, die auch von vielen Touristen, vor allem in den Sommermonaten, aufgesucht wird, dennoch aber relativ ruhig ist.

Nachdem ich meine Gastfamilie nur von wenigen Fotos und E-Mails kannte, war ich ziemlich aufgeregt, als ich plötzlich (so Anfang August) vor ihrer Haustür stand und mit einem herzlichen ciao empfangen wurde. Was folgte war eine kleine Rundführung durch die Wohnung, anschließend packte ich meine Koffer aus und machte es mir ein wenig gemütlich in meinem neuen Zimmer auf Zeit, ehe es auch schon Abendessen gab. Ich saß am Tisch und aß pasta, während meine Gastmutter, meine 21-jährige Gastschwester und mein 17-jähriger Gastbruder wild auf Italienisch durcheinander redeten.

Zugegebenermaßen musste ich leider feststellen, dass ich auch nach einem knappen Jahr Italienisch an der Volkshochschule noch nicht viel verstand. Während man Englisch oder auch Französisch in der Schule ja mehr oder weniger gut lernt, hatte ich in der Schule noch kein Italienisch gehabt. Aber ich wollte mich nicht entmutigen lassen, knüpfte ein paar Gespräche auf Englisch und hoffte auf eine schnelle Besserung meiner Sprachkenntnisse – insbesondere durch die vier Wochen Sprachkurs (auch in Lucca), die mir noch bevorstanden. Der Sprachkurs begann dann auch gleich am nächsten Morgen. Bevor der Unterricht anfing, machte ich erst einmal einen Einstufungstest und dann ging es auch schon los. Die vier Wochen verliefen für mich wie im Flug und haben mir echt viel Freude bereitet. Ich lernte viele nette Leute aus aller Welt kennen und auch mein Italienisch verbesserte sich neben meinem Englisch scheinbar automatisch.

Im Anschluss an den Sprachkurs hatte ich dann noch eine Woche Ferien. Mit Freunden von dem Sprachkurs unternahm ich beispielsweise (mit dem Zug) Ausflüge nach Siena, Arezzo oder zu den Cinqueterre. Auch in der folgenden Zeit versuchte ich möglichst viel von der Umgebung zu sehen, so besichtigte ich zum Beispiel auf eigene Faust das nur 25km entfernte Pisa und Florenz. Und meine Gastmutter, die mir ebenfalls die Gegend zeigen wollte, fuhr mit mir zu den in der Nähe gelegenen, sehr prachtvolleren Villen.

Zunächst einmal begann dann Mitte September aber die „richtige“ Schule. Ich kam an meinem ersten Schultag in der Klasse an und geriet zum Glück gleich an drei sehr nette Mädchen, die mir den Einstieg in der Schule dort sehr erleichterten. Bei Verständnisproblemen der Sprache wegen halfen sie mir und wir trafen uns auch einige Male außerhalb der Schulzeit.

Schule ist in Italien ganz anders als in Deutschland. Während hier auf mündliche Mitarbeit gesetzt wird, herrscht in Italien regelrechter Frontalunterricht. Der Lehrer erzählt den Großteil der Stunde, die Schüler machen sich Notizen und werden von Zeit zu Zeit drangenommen. Besonders auffallend waren die vielen Tests und Abfragungen, die es fast täglich gab. Lernstoffmäßig war alles sehr geschichtlich bezogen. Ich hatte täglich fünf Stunden Unterricht (allerdings Zeitstunden) mit einer kurzen Pause zwischendurch. Meist war ich um 13Uhr schon wieder zuhause, wobei man bedenken muss, dass in Italien grundsätzlich auch samstags Schule ist.

Ich habe die viereinhalb Monate dolce vita sehr genossen und kann einen solchen Auslandsaufenthalt allen, die sich für ein anderes Land oder Kultur nur weiter empfehlen. Es ist eine großartige Chance selbstbewusster, mutiger und selbstständiger zu werden und nebenbei noch seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Man erlebt so viel. Man lernt sich selbst besser kennen und macht zugleich Erfahrungen, die einem keiner mehr nehmen kann und ein Leben lang bereichern.