High School Kanada (British Columbia)

Nach vielen Überredungskünsten, die ich brauchte, um meine Familie davon zu überzeugen, mich Ende August 2012 für ein fünfmonatiges Austauschalbjahr nach Kanda gehen zu lassen, begannen die Vorbereitungen etc. Am spannendsten war auf jeden Fall vorher die Zeit, als ich so aufgeregt gewartet habe, in welche Gastfamilie ich kommen werde! Als es dann soweit war, und ich nach einem langen und anstrengenden Flug in Vancouver ankam, überrumpelte es mich erst einmal, dass ich niemanden kannte und mir mein neues Leben dort selbst aufbauen sollte. 


Nach einem Monat allerdings hatte ich meine Gastfamilie mit riesigem Hund, 8jährigem Sohn und 12jähriger Schwester sowie die gleichaltrige chinesische Gastschülerin, mit der ich Tür an Tür lebte, lieb gewonnen. Ich fand Freunde, lebte mich in der Schule ein und hatte keine größeren Verständnisprobleme mehr. Dann habe ich es sehr genossen, Land, Kultur und Menschen von überall her kennen zu lernen. Vor allem die anderen International Students waren alle sehr nett. In der Anfangszeit haben sie mir sehr geholfen, da sie in der gleichen, neuen Situation waren wie ich selbst. 


Vancouver ist eine Stadt, in der Menschen aus aller Welt wohnen, 60 Prozent davon sind Asiaten, und nicht hauptsächlich Kanadier. Das fand ich sehr gut, da ich dann nicht nur die Kanadier kennen lernen durfte, sondern auch Chinesen, Spanier, Mexicaner, Costa Ricaner, Philippinen, Italiener, Japaner und Koreaner etc.
Ich konnte sehr viel an Erfahrungen mit zurück nach Deutschland nehmen, und es war die bisher beste Erfahrung meines Lebens. Sehr schön fand ich auch, dass für den verhältnismässig warmen Sommer in der Nähe von meinem zweiten Zuhause ein Strand war und ich einen Pool zur Verfügung hatte, den meine Gastfamilie besitzt. Im Winter konnten wir schnell mal auf einen Berg in der Nähe Vancouvers fahren. Dort komnnte ich den vielen Schnee genießen. 


Die Highschool war viel besser als meine Schule in Deutschland. Die einzelnen Kurse konnte ich mir selber zusammen stellen, ein interessantes Sportprogramm wurde geboten. Wenn ich etwas im Unterricht nicht verstanden hatte, konnte ich nach der Schule zu dem entsprechenden Lehrer gehen, der mir alles noch einmal geduldig erklärt hat. Spaß gemacht hat das Fach Psychologie und drei Monate lang konnte ich Spanisch lernen, was an meiner deutschen Schule nicht möglich ist. Auch das Fach Outdoor Education mit seinen vielen Naturerfahrungen war eine absolute Bereicherung für mich. 


Das Essen war wirklich eine krasse Umstellung. Es gab viel Fettiges und Süßes, morgens Pancakes mit Ahornsirup, Zimtschnecken und Cornflakes. Aber meine Gastmutter hat auch Vegetarisch für mich gekocht (Reis mit Möhren :). Es gab ein gesundes, chinesisches Essen, vor allem vegetarisches Sushi habe ich kennen und lieben gelernt. Für ein halbes Jahr war es aber auch eine tolle Erfahrung, einfach essen zu können, was ich wollte. Mit dem Sportprogramm, das es an der Schule gab, konnte ich auch alles schnell wieder abtrainieren :).

Alle Ausflüge, die ich gemacht habe, waren auch einfach wahnsinnig toll! Ich war in den Rocky Mountains, in Seattel (Amerika) zum shoppen (in vier Malls in elf Stunden!), zwei Mal mit der Fähre auf Vancouver Island (in der Hauptstadt Victoria und in dem ehemaligen Hippie-Ort Nanaimo). In Whistler, einem riesigen Skigebiet, das für Skifahrer ein absoluter Traum ist, bin ich auf schwarzen Pisten gefahren. Im Sommer nach meiner Ankunft habe ich zwei Campingausflüge in die Wälder Kanadas gemacht, einen mit meiner Gastfamilie und den anderen mit der Outdoor Education-Gruppe. Wir mussten nachts tatsächlich unsere Lebensmittel und Ausrüstung hoch in die Bäume ziehen als Vorsorge gegen unliebsamen Besuch von Braunbären. 
Ein wunderbarer Feiertag war für mich Thanksgiving mit meiner Gastfamilie zu feiern. Es gabe einen großen Truthahn und für mich Möhren und Kartoffelpüree. Wir haben alle zusammen gegessen, die Großmutter und Tante kamen zu Besuch, wir haben Monopoly gespielt und einen Spaziergang mit dem Hund. 
Zu Weihnachten wurde ein für mich gewöhnungsbedürftiger Plastiktannenbaum aufgestellt, und ich bin mit der Tante in die Kirche gegangen. Zu essen gab es Sauerkraut mit Hackfleisch, ich bekam Tofu als Ersatz. Sylvester habe ich tatsächlich mit einer anderen Gastschülerin aus Dortmund gefeiert!
Im Winter, kurz bevor ich zurück nach Hause geflogen bin, habe ich einen Trip in die Rockies untermnommen und konnte mit einem Huskie-Schlitten bei -25 Grad durch die verschneiten Berge fahren. Das war das Überwältigendste, was ich jemals erlebt habe. Kurz vor meiner Abfahrt haben wir noch einen Snowshoetrip in Outdoor Education unternommen und zwei Nächte draußen in der Wildnis in einer unbeheizten Hütte geschlafen.

Für alle, die sich entscheiden, mit Advised Studies nach Kanada zu gehen, würde ich empfehlen, in der Schule das Fach Outdoor Education zu wählen, weil man dadurch die Wälder Kandas besser kennen lernen kann. Auch sollte man die Chance nutzen, an interessanten Ausflügen teilzunehmen. Ich werde sie niemals vergessen, es war einfach wahnsinnig aufregend und schön! Auch in Vancouver, einer modernen Stadt mit imposanter Skyline, konnte ich sehr viel unternehmen, wie nach Downtown gehen, in den riesigen Stanley Park mit Skulpturen und Seen, den Hafen, riesige Wolkenkratzer aus Glas und Shoppingmals bewundern, das Vancouver Aquarium besuchen und Parties am Strand des Pazifiks feiern.....
 
Jeder, der die Chance hat, ins Ausland zu gehen, sollte sie ergreifen! Man macht dort wertvolle Erfahrungen, lernt die Sprache, wird selbständig und selbstbewusster, weltoffener und toleranter! Ich habe Menschen kennen gelernt, zu denen ich hoffentlich immer Kontakt haben werde.