High School Neuseeland (Nordinsel)

Am Flughafen angekommen war es kein Problem, meinen Gastvater und meine Gastschwester ausfindig zu machen. Die waren nicht besonders aufgeregt oder begeistert, was auch nicht weiter verwunderlich war, da ich im Vorhinein wusste, dass ich bei weitem nicht deren erster Schüler aus dem Ausland war und zur Zeit meines Aufenthalts noch andere Gastschüler in der Familie untergebracht sein würden.(...) Wir waren zusammen 8 Leute, vier Gastschüler, die Eltern und deren zwei Kinder.(...) Auf jeden Fall habe ich in den von mir belegten Kursen, Spaß gehabt. Dort freuten sich viele über die Abwechslung aus dem Ausland und mit vielen einheimischen Schülern konnte man sich angeregt unterhalten.

Auch der Unterricht selbst war super und das Schulsystem viel besser als in Deutschland. Denn kulturell ist Australiens Nachbar hauptsächlich ein Abklatsch von England. Landschaftlich und von Flora & Fauna her gibt es auf den beiden Inseln natürlich Unglaubliches zu entdecken, aber davon profitiert man ja nicht, wenn man in Wellington zur Schule geht. In meinem College hatte ich wirklich die Auswahl aus sage und schreibe 48 Fächern, die es erlauben, sich viel besser auf das Studium/den Beruf vorzubereiten, als es in Deutschland irgend möglich ist. Dazu kommen einstündige Unterrichtseinheiten (statt der hier üblichen ¾ Stunden), eine lange Mittagspause (die sicherlich nicht jedem gefällt, aber pädagogisch sinnvoll ist) und ein Schulstart um viertel vor neun. Man kann nur maximal 6 Fächer wählen, da jedes von ihnen ein „Hauptfach“ ist. Ich persönlich finde dies auch sinnvoller als anderthalb Stunden Kunst oder Geschichte in der Woche in Deutschland. So konnte ich mich mit den Fächern Grafik, Malerei und Medienkunde perfekt auf mein Grafikdesign Studium vorbereiten. Da mein Englisch bereits bei der Ankunft recht gut war, hatte ich keine Probleme dem Stoff zu folgen, nichtmal im Englischunterricht, den ich mit neuseeländischen 12. Klässlern zusammen hatte. Die Lehrer waren äußerst nett und etwas lockerer als hier, und mit den Schülern hatte ich auch wie gesagt eine Menge Spaß.

Den Rest kann ich noch kurz zusammenfassen, aus sportlicher Sicht ist man in Wellington auch gut bedient, so konnte ich sogar meinen Sport aus Deutschland, Parkour, problemlos fortsetzen und wurde gleich in eine Gruppe gut aufgelegter, offener und teils sehr guter Traceure aufgenommen. Zusätzlich begann ich mit Turmspringen, und auch das machte mir eine Menge Spaß. Als Hauptstadt sind in Wellington natürlich auch Kinos zu finden, inklusive 3D-Vorstellungen und Programmkinos. 

Gute Freunde, mit denen ich auch etwas unternahm bzw. jetzt noch Kontakt habe, fand ich leider eher am Schluss, also in den letzten Wochen bevor ich Wellington verließ. Dass ich zu dieser Zeit am meisten Spaß hatte, war dann wohl irgendwie Ironie des Schicksals. Erst recht toll waren die letzten 3 Wochen, in denen meine Familie kam, damit wir zusammen rumreisen konnten. Dabei entfaltete sich die Schönheit Neuseelands und ich bedauerte, nicht mehr Zeit gehabt zu haben, das Land frei zu bereisen.

Ganz allgemein möchte ich jedem Work & Travel mehr ans Herz legen, vor allem bei einem Land das erkundet werden will wie Neuseeland. Durch die Schulpflicht kommt man einfach nicht dazu viel von der fremden Welt zu sehen. Ein Schulbesuch im Ausland kann trotzdem eine tolle Erfahrung sein, was aber stark davon abhängt wie man mit der Gastfamilie zurechtkommt, wie gut und lange man auf seine alten Freunde verzichten kann und wie leicht man neue Kontakte knüpft. Eins ist garantiert: die Fähigkeiten in der Fremdsprache verbessern sich enorm.