High School USA (Massachussetts)

Ich bin Sophie und komme aus Hamburg und hatte schon früh den Wunsch, ein Auslandsjahr zu machen. Ich habe viele Veranstaltungen besucht, um die richtige Organisation zu finden. Zuletzt habe ich mich für Advised Studies entschieden, eine kleine nette Organisation aus Dortmund.
 
Ich hatte das Glück, mir die Schule und den Ort aussuchen zu dürfen. Wegen der Lage und der sportlichen Angebote der Schule habe ich mir schließlich die High School in Marblehead ausgesucht. Marblehead ist ein kleiner Vorort von Boston. Vier Monate, bevor die Schule starten sollte, wurde mir meine Gastfamilie zugeordnet. Von da an war ich auch schon sehr gespannt. Wir haben viele E-Mails geschrieben, um uns schon ein bisschen kennen zu lernen. Ich habe erfahren, dass meine Gastmutter zwei Söhne hatte, die aber schon ausgezogen waren. Einer ging zum College und der andere kam aus dem Krieg in Afghanistan zurück und hatte seine eigene Wohnung. Sie erzählte mir auch, dass sie noch eine Austauschschülerin aus Norwegen aufnehmen würde, damit ich nicht ganz alleine wäre. Ich war total gespannt und bin mit Vorfreude nach Amerika geflogen. 

Die erste Zeit in meiner Gastfamilie war sehr schön. Aber nach einigen Wochen änderte sich die Situation. Meine Gastfamilie musste dann auch aus ihrem Haus ausziehen. Meine Gastschwester und ich haben daraufhin die Familie gewechselt. Wir hatten Glück, dass eine andere Gastmutter, die eine Austauschschülerin aus Brasilien für ein halbes Jahr aufgenommen hatte, uns aufnehmen konnte, sodass meine Gastschwester und ich auch zusammen bleiben durften. Inzwischen hatten wir uns sehr gut angefreundet.

Unsere neue Gastmutter war sehr freundlich und nahm uns auch schon etwas früher auf, damit wir Weihnachten mit ihr feiern konnten und da es mit unserer alten Gastmutter sowieso nicht mehr so gut gelaufen ist. Jo - so hieß unsere neue Gastmutter - war schon 74 Jahre alt und hatte sehr viel Zeit für uns. Sie hat sich gut um uns gekümmert und hat alles mit uns gemacht, was bei meiner alten Gastmutter nicht der Fall war, da sie viel arbeiten musste und auch unterschiedliche Jobs hatte. Für einen Monat lebten wir also zu viert, bis Gabi wieder zurück nach Brasilien musste. Wir hatten alle sehr viel Spaß zusammen, mit vier unterschiedlichen Sprachen. Jo stammt aus Italien und hat eine sehr große Familie und auch einen großen Freundeskreis, was sehr toll war. Das halbe Jahr, das ich mit Jo verbracht habe, war sehr lustig und ging leider auch sehr schnell um. Am Ende war es traurig sich von ihr zu verabschieden, aber ich werde sie auf jeden Fall noch öfter besuchen. Im Moment skypen wir viel miteinander.


Am ersten Schultag war ich sehr glücklich, dass ich eine Schülerin als Betreuerin zugeordnet bekam. Sie hat mir die Schule gezeigt und war mir am Anfang bei allen Dingen sehr behilflich. Es war dadurch einfacher, sich in der Schule zurechtzufinden, da es am Anfang sehr verwirrend war und die Schule auch sehr groß war. Außerdem bekam ich noch einen Ansprechpartner zugeteilt, zu dem ich gehen konnte, um zum Beispiel meine Stundenplan zu ändern oder Fragen zu stellen. Die Lehrer waren auch sehr nett und man hat viel mehr mit den Lehrern zusammen gearbeitet, als ich aus Deutschland kenne. Ich denke, dass die Schüler in den USA viel mehr Respekt den Lehrern gegenüber zeigen. Am Ende der Stunde hat jeder Schüler sich bei den Lehrern bedankt, bevor man den Klassenraum verlassen hat. 

Insgesamt ist das Schulsystem in den USA anders. Man muss nicht so viele Fächer wählen wie hier in Deutschland. Dafür hat man die wenigen Fächer, die man sich ausgesucht hat, intensiver. Zum Beispiel nimmt man nicht Chemie, Biologie und Physik zur selben Zeit. Man nimmt nur Biologie für ein Jahr und dann im nächsten Jahr würde man nur Physik haben. Es gibt mehr Auswahl zwischen Kursen, die man freiwillig wählen kann. Zum Beispiel kann man Kochkurse nehmen, Fotografie-Kurse oder auch unterschiedliche Kunstkurse. Die Klassenräume für jedes Unterrichtsfach sind besonders gut ausgestattet. Das Notensystem ist auch anders. Es geht von A bis F, wobei alles in Prozenten gezählt wird. Zum Beispiel bekommt man ein A, wenn man 100 bis 90 Prozent Leistung gezeigt hat. Bei 60 bis 0 Prozent fällt man durch. Die Vergabe der Noten ist sehr transparent. Es findet eine regelmäßige Beurteilung statt, die man im Internet nachschauen kann. Darüber haben sich besonders meine Eltern gefreut. 

In den amerikanischen Schulen wird der Sport stark gefördert. Nach dem normalen Unterricht werden je nach Jahreszeit verschiedene Sportarten angeboten. Die Stunden finden dann mehrmals die Woche bis fast täglich statt. Zusätzlich werden auch unter der Woche Wettkämpfe gegen andere Schulmanschaften veranstaltet. Ich hatte in den Wintermonaten Schwimmunterricht. Einige Schüler meines Schwimmteams waren so gut, dass wir Champions von mehreren Schulen sind. In den Frühjahrsmonaten hatte ich Tennis, was auch fünfmal die Woche stattfand.

In den USA habe ich viel Freunde gefunden. Es war einfach, Freunde zu finden. Es war das erste Jahr, dass meine Schule Austauschschüler aufgenommen hat. Alle Schüler sind sehr interessiert auf mich zugekommen. Auch durch den Schulsport in den Schwimm- und Tennisstunden habe ich viele Freunde gefunden. Eine Klassenkameradin hat zum Beispiel einen Tagestrip nach New York mit mir gemacht, was total spannend war und auch ein super Erlebnis. Zwar sind die Menschen in den USA sehr offen gegenüber Fremden, aber ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass die meisten Freundschaften eher oberflächlich sind. Trotzdem habe ich nach einiger Zeit sehr gute Freunde gefunden, zu denen ich hoffentlich auch noch sehr lange Kontakt haben werde.
 
Ich kann den Auslandsaufenthalt auf jeden Fall weiterempfehlen, da man viele Leute kennen lernt, viele Erfahrungen sammeln kann und auch sein Englisch sehr verbessern kann. Im Großen und Ganzen war das Jahr in den USA eine tolle Erfahrung und ich habe sehr viel dazu gelernt und es hat auch total viel Spaß gemacht. Mir wird vieles lange in Erinnerung bleiben und ich werde auch vieles vermissen.