High School USA (Virginia)

Ich wette, jeder von Euch wurde schon einmal von der spontanen Reiselust gepackt. Der Wunsch einfach alles stehen und liegen zu lassen und sich auf den Weg ins Unbekannte zu machen...

Genau das ist mir vor ziemlich genau zwei Jahren passiert. Wenn man es genau nimmt, dann hat meine liebe Mutter mich dazu ermutigt, ins Ausland zu gehen. Um das zu verstehen, muss ich dazu sagen, dass sie selbst (in meinem Alter) in den USA war, allerdings "nur für drei Wochen". Sie wollte unbedingt in die Fußstapfen meines Onkels (also ihres großen Bruders) treten und für ein ganzes Jahr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten unsicher machen. Doch genau da war der Wurm drin. Meine Großeltern hatten Angst ihre 16-jährige Tochter alleine nicht nur in ein anderes Land, sondern auf einen anderen Kontinent zu schicken! Für meine Mutter wurde also nichts aus dem erhofften Austausch, was sie bis heute noch bedauert. Wie dem auch sei, das ist der Grund, warum ich genau die richtige Motivation hatte, die ich gebraucht habe, um mich für mehrere Programme anzumelden, mich um ein Visum zu kümmern, eine Gastfamilie zu finden (was ich auf eigene Faust gemacht habe, da meine Mutter noch Bekannte in den USA hatte).

Ich werde nicht lügen, es war ein riesiger HAUFEN Arbeit. Aber wenn ich jetzt so darauf zurückblicke, dann war es das vollkommen wert. Der schwierigste, rein organisatorische Part war wohl das Visum, und ich werde euch nicht mit Fakten und Daten langweilen. Wenn ihr jemals ein Visum braucht, kann ich euch nur einen Tipp geben: Immer schön ruhig bleiben, wie stressig die Situation auch scheinen mag (die Amis wollen nur sicher gehen, dass ihr die ehrlichen Bürger, die ihr vorgebt zu sein, auch wirklich seid...)! Und nehmt euch ein Buch mit - die Wartezeiten sind immens! 

Als ich dann endlich mein Visum in der Tasche, die richtige Organisation gefunden und alle notwendigen Formulare ausgefüllt hatte, ging es zum schwersten Part meiner ganzen Reise. Ich musste packen und alle meine Freunde, Familie, Bekannte und alles, was ich kannte, zurücklassen. Mein ganzes Leben sollte in den kleinen Koffer passen...? Unmöglich! Das dachte ich zumindest bis zu dem Augenblick in dem meine Oma in das Chaos meines Zimmers stürzte und radikal Sachen wegschmiss, in den Koffer packte und mich aufräumen ließ. Ehe ich es mich versah, saß ich vor meinem gepackten Koffer in meinem leeren Zimmer und meiner großen Reise stand nichts mehr im Weg.

Ich kann es manchmal immer noch nicht fassen, dass ich es geschafft habe, aber irgendwie bin ich am Ende eines sehr langen Tages doch im verschlafenen Lexington, Virginia angekommen! Nun war ich also in Amerika! Meine Gastfamilie hat mich am Flughafen abgeholt und als wir endlich zu Hause angekommen sind, bin ich eigentlich nur noch ins Bett gefallen und glücklich und zufrieden eingeschlafen. Das darauffolgende Jahr sollte das Abenteuer meines Lebens werden und auch wenn es mir manchmal etwas schlechter ging als in anderen Zeiten, so hätte mein Erlebnis nicht besser sein können! Ich würde es jedem empfehlen, denn ich habe dort so viel gelernt, so viel Neues erlebt oder neue Leute kennen gelernt, es war einfach nur super genial!

Alles in allem kann ich also sagen, dass der Austausch das Beste und Schlimmste ist, was mir je passiert ist. Alles Bekannte und alles was mir je etwas bedeutet hat, wurde von mir genommen und ich musste mich dem Neuen und Unbekannten stellen, was super aufregend war, aber einem auch ganz schön Angst einjagen konnte. Natürlich war es einfach das Beste wieder nach Hause zu kommen, meine Freunde zu sehen, meine Brüder in den Armen zu halten und und und... Aber trotzdem war es herzzerreißend Amerika wieder zu verlassen. 

Ich kann einen Auslandsaufenthalt zu 100% weiterempfehlen, denn es macht einfach super viel Spaß, man lernt so viele neue Dinge kennen. Man lernt eine andere Sprache und man wird einfach viel selbstständiger, was ein tolles Gefühl ist! Natürlich ist die Welt auch im Ausland nicht immer perfekt und ohne Fehl und Tadel, aber das gehört einfach zum Leben dazu. Mein Auslandsjahr war das Beste Jahr meines Lebens und ich wünsche jedem, dass er diese Erfahrungen machen kann. Denn es hilft einem einfach ungemein für das weitere Leben.