High School USA

Nach langem Bangen und Warten konnte ich dann doch noch Ende August 2004 nach Amerika fliegen und mein seit langem gewünschtes Abenteuer erleben. Der Flug nach Amerika, den ich alleine antrat, war schon eine super Erfahrung. Nicht um sonst sagt man, dass man mit den Herausforderungen wächst.

Im Flugzeug machte ich schon die ersten Bekanntschaften. Im Chicagoer Flughafen z.B. lernte ich einen sehr netten Pfarrer kennen. Er kam aus Südamerika zurück.

Die erste Begrüßung meiner Gastfamilie war ein schönes Ereignis und ich werde es nie vergessen. Meine Gastfamilie bestand aus Jen und Mike. Sie waren erst 25 und 26 Jahre alt, dass heißt gerade mal 9 Jahre älter als ich zu der Zeit. Obwohl sie so jung waren, waren sie doch sehr verantwortungsbewusst. Wir hatten eine super Zeit zusammen.  

Ich war für fast ein ganzes Jahr im großen „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Es ist wirklich riesig und man kann viele neue Sachen entdecken. Ich reiste nach New York, Chicago, Detroit, Las Vegas, Seattle und Washington DC. Zudem war ich noch in vielen kleineren, aber doch sehenswürdigen Städten. Außerdem habe ich einen der bekanntesten Freizeitparks dort besucht, Cider Point. Die meisten Reisen wurden von meiner Gastfamilie organisiert. Das war super nett von denen. Sonst hätte ich wohl mit der Schule oder einer Reiseorganisation versuchen müssen den Kontinent zu entdecken.

Ich glaube, eines der Dinge, die ich gelernt habe ist die Lockerheit mit der die Amerikaner an Sachen herangehen. Ein Beispiel dafür ist die Flexibilität in der Arbeitswelt. Zum Beispiel habe ich dort einen Mann kennen gelernt, der früher ein Psychologe mit eigener Praxis war, aber dann Versicherungsmakler wurde. Außerdem habe ich viele neue Eindrücke im Familienleben der Amerikaner gesammelt.  

Ich habe gelernt, dass es „die Amerikaner“, wie sie hier in Medien dargestellt werden, nicht gibt, oder nur kaum. Es ist eben ein Volk, welches viele Wurzeln hat und nicht nur durch eine Brille gesehen und beurteilt werden darf. Es ist halt ein facettenreiches Volk.

Die Schule in Amerika war eher einfach. Man sollte sie am Anfang nicht zu leicht nehmen aber mit der Zeit und zunehmenden Sprachkenntnissen ist die Schule kein Problem. Was mir sehr gut gefallen hat war, dass man sich seinen eigenen Stundenplan zusammenstellen konnte, somit konnte man sich aussuchen, ob man eher schwere oder einfachere Fächer belegen wollte. Meine Highschool mit 1600 Schülern hatte eine sehr großes Angebot an verschieden Fächern. Das habe ich sehr genossen. Ich habe Fächer wie Independent Living oder Weight Training gewählt. Ich bin der Meinung, dass man sich ein bisschen fordern sollte, damit die Umstellung auf das deutsche schwerere Schulsystem nicht so schwer fällt.

Wie schon gesagt bestand meine Gastfamilie aus einem sehr jungen Ehepaar, welches auch einen Hund und eine Katze besaß. Zur großen Freude wurde während meines Aufenthaltes Jen schwanger. Ungefähr 4 Stunden nachdem ich Amerika verließ und nach Deutschland zurück flog, kam der kleine Samuel zur Welt. Also wurde er während meines Fluges in die Heimat geboren. Schade, dass ich ihn so kurz verpassen musste, aber ich glaube es war ganz gut für Jen und Mike, dass sie das Kapitel Austauschschüler (/-kind) zuerst abschließen konnten, bevor sie das neue Kapitel „eigener Sohn“ öffnen mussten. Für mich war es sehr interessant mal eine Schwangerschaft so hautnah mit zu erleben. Auch an Kleinkinder war ich vor meinem Besuch in Amerika kaum gewöhnt. Dort habe ich aber durch Jens und Mikes Freundeskreis den Umgang mit kleinen Kindern kennen gelernt.  

Ich habe jetzt noch sehr guten Kontakt mit meiner Gastfamilie. Wir telefonieren wenigstens ein Mal im Monat. Der Gesprächsstoff geht uns eher selten aus. Auch über Internet habe ich noch sehr guten Kontakt zu manch guten Freunden in Amerika. Ich habe auch schon angefangen für einen Trip nach Amerika zu sparen, um noch mal alles und jeden zu sehen.

 

Auf die Frage, ob ich ein Jahr im Ausland weiterempfehlen kann, kann ich nur sagen, dass jeder, der die Chance hat ins Ausland zu gehen, sie auch wahrnehmen sollte. Die Erfahrungen sind einzigartig. Manchmal können meine Freunde hier, die nicht im Ausland waren, meinen Überlegungen und Sichtweisen nicht richtig folgen und sie verstehen. Aber andere Austauschschüler haben kein Problem mich zu verstehen und Probleme nachzuvollziehen. Obwohl man nicht wirklich von Problemen sprechen kann.

Eigentlich könnte ich ein kleines Büchlein über meine Eindrücke, die ich in Amerika gewonnen habe, schreiben. Dieser leichte Schwermut, der über uns Deutschen schwebt, ist dort nicht vorhanden, obwohl es den Amerikanern nicht, wie hier oft fälschlich und oberflächlich dargestellt, an Tiefgang fehlt. Doch sie leben zunächst ihr eigenes Leben.