Schuljahr Deutschland

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So, ich soll einen Bericht über mein Jahr in Deutschland schreiben. Es gibt so viel dazu, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Erstens, muss ich sagen, es ist ganz anders. Alles ist anders – die Leute, die Kultur, die Verhältnisse, die Schule, und natürlich auch die Sprache.
Aber anders kann auch gut sein. Dadurch habe ich gelernt, wie man in ungewöhnlicher Situationen umgeht, auch wenn alles nicht so einfach ist. Und es ist nicht immer perfekt und es ist bestimmt nicht eine einjährige Pause. Man muss sich viel Mühe geben, um sich wohl in dem neuen Zuhause zu fühlen.

Bei mir war es nämlich so, dass meine Gastfamilie ganz anders als meine Familie in den USA war. Meine Gastmutter war 81 und mein Gastvater 86 – wie meine Großeltern. Ich habe die sogar Oma und Opa genannt. Ich habe nie früher mit älteren Leuten gewohnt – ich musste mich daran gewöhnen und, ehrlich gesagt, manchmal war es stressig und frustrierend, aber ich habe auch viel gelernt.

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Am Anfang des Jahres hatte ich Heimweh. Ich wollte einfach nach Hause. Um da durchzukommen, habe ich oft mit meiner Gastmutter gesprochen. Da sie älter ist und viele Erfahrungen hinter sich hat, konnte ich viel von ihr lernen. Am Anfang habe ich kaum verstanden, aber einfach durch das Zuhören ging es besser. Es ist nicht wichtig, jedes Wort zu verstehen, um den ganzen Satz zu verstehen. Aber man muss auch sprechen. Und das ist frustrierend. Ich wusste genau, was ich sagen wollte, aber ich konnte es nicht deutlich äußern. Oder ich konnte einen Satz Wort für Wort verstehen aber nicht selber formulieren und sagen. Aber damit kriegt man etwas Fantasie. Ich habe gelernt, wie man Wörter erklärt und was die Wörter wirklich bedeuten. Es ist doch schwierig, aber man lernt auch schnell.

Ich hatte auch das Problem, dass man immer mit mir auf Englisch reden wollte. Die haben meinen Akzent gehört order irgendwie merkte, dass ich Amerikanerin bin, und wollte zeigen, dass sie auch Englisch können. Aber dafür bin ich nicht gekommen und ich fand es schwierig immer zu sagen "Ich bin hier, um Deutsch zu lernen, bitte sprechen mit mir auf Deutsch."

tl_files/advised/berichte/reinders/heidi4.JPGDie Schule war auch anders. Da ich schon fertig mit der Schule in Amerika war, kriegte ich keine Noten, kein Zeugnis und musste die Klausuren nicht mitschreiben. Aber immerhin, ich wollte das deutsche Schulsystem kennenlernen und alles richtig machen. Ich hatte Deutsch als Leistungskurs (3. Semester) und werde nie vergessen, wie meine erste deutsche Deutschstunde lief. Wir haben nämlich zwei Aufgaben bekommen: ein Märchen ("Hyazinth und Rosenblütchen") analysieren und "Der goldene Topf" von E.T.A. Hoffmann in zwei Wochen lesen. Das Märchen ging OK. Meine Gasteltern haben mir dabei geholfen und ich habe es verstanden. Aber E.T.A. Hoffmann...das war ja brutal. Ich bin immer noch nicht zum Ende aber eines Tages mache ich das!


Die Mitschüler/innen waren auch anders. In Amerika interessieren sich viele Leute für Ausländer und gehen auf sie zu, um einen neuen Freund zu machen. Die Austauschschüler/innen sind nie allein. Aber hier sind die Schüler/innen mehr zurückhaltend. Das heißt nicht, dass sie unfreundlich sind, die sind doch freundlich, man muss bloß zu den hingehen und damit habe ich immer Schwierigkeiten gehabt – ich musste mich dazu zwingen.

tl_files/advised/berichte/reinders/Heidi7.jpgVor der Reise freut man sich – alles wird neu und toll. Dann kommt man an und das ganze Jahr liegt vor sich. Es ist als ob ein Jahr ewig ist und unmöglich zu schaffen. Aber jetzt setze ich am Ende meines Jahres und es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Dieses Jahr, das ich so lange geplant habe und so sehr wollte, ist schon vorbei. Was nun? Sicher, ich fliege nach Hause. Aber ich bin auch inzwischen verändert – irgendwie, durch alle meine Probleme und neue Erfahrungen, bin ich ein Bisschen deutsch geworden!