Sprachkurs mit anschließendem Praktikum Frankreich (Paris) - 2 Monate

Paris ist eine Weltstadt, groß, verwirrend, laut, aufregend und voll. Und mittlerweile mein zweites Zuhause. Ich werde nie vergessen, wie ich mitten in Paris vor einem der typischen Haussmann-Gebäude stand, dran emporblickte und dachte: das ist jetzt dein neues Zuhause. Wie meine Vermieterin mir die Tür aufmachte und ihr erster Satz zu mir war: „Du hast aber viel Gepäck dabei!“ „Hey“, dachte ich mir da nur, „ich bleibe schließlich zwei Monate, da wird ein großer Koffer doch wohl drin sein!“ Sie war freundlich, aber distanziert, also nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte. Gewohnt habe ich in einer großen, zweistöckigen Wohnung  im 7. Und 8. Stock, nicht weit vom Eiffelturm. Es war eine Art WG, denn in den drei Gästezimmern wohnten abgesehen von mir noch wechselnde Bewohner: zwei Mädchen aus China, aus den USA und ein Tierarzt aus Neuseeland. Wir waren zwar selten alle zur gleichen Zeit zuhause, aber es war doch eine sehr interessante Erfahrung, mit so vielen verschiedenen Menschen aus so vielen Ländern zusammen zu wohnen.

Über die Sprachschule habe ich einen Großteil meiner Freunde kennengelernt, später sind ein paar Pariser dazugekommen. Es ist ein unglaubliches Gefühl, mittags zusammen mit seinen Freunden beim Essen zu sitzen, und eben nicht Tourist, sondern Bewohner zu sein, die Sprache zu sprechen und ein Teil der Stadt zu sein. Wir haben die Pariser Sommernächte an der Seine mit einem Picknick verbracht und mitten auf den Quais Salsa getanzt, stundenlang in schönen kleinen Bars gesessen und gelacht, tagsüber in einem Park in der Sonne gelegen oder die Stadt entdeckt. Irgendwann brauchte ich keine Wegbeschreibung mehr oder einen Stadtplan, ich kannte meinen Weg und habe mich problemlos zurecht gefunden. Und da wir alle unseren Alltag hatten durch die Sprachschule und eventuell ein Praktikum, war es mehr als Urlaub. Es war ein neues, zweites Leben. Die Sprachschule war wahnsinnig gut für mein Französisch. Die Lehrer waren weniger Lehrer, sondern eher Einheimische, die mit uns die Zeit verbracht haben.

Das Praktikum war da eine ganz andere Herausforderung. Nach vier Wochen in Paris hatte ich das Gefühl, mich ganz gut eingelebt zu haben. Doch meine Arbeit hat mir noch mal eine ganz andere Sicht auf Paris gezeigt: die Welt der Berufstätigen. Plötzlich war ich ein Teil der Menge, die morgens schick angezogen und mit Laptoptaschen in der Metro unterwegs war. Ich war nicht mehr einer der vielen Schüler oder Studenten, sondern jemand auf dem Weg ins Büro. An die Arbeit musste ich mich erst gewöhnen! Besonders an die Arbeitszeiten, im Grunde jeden Tag bis halb sieben am Abend oder länger. Ich wusste das Wochenende umso mehr zu schätzen, als ich die Nachmittage nicht mehr frei hatte… es war ein Bürojob, und am Schreibtisch hält sich die Spannung oftmals in Grenzen. Aber als unser Büro auf die Champs Élysées gezogen ist oder wir auf einer Messe ausgestellt haben, waren das ganz besondere Tage oder Momente, genauso wie die Mittagspausen mit meinen Kollegen oder die Freundschaften, die entstanden sind.

Besonders gut gefallen hat mir das Gefühl, in Paris unabhängig zu sein und das Leben zu genießen. Morgens aufzuwachen und von der 8. Etage aus über Paris zu blicken. Zur nächsten Boulangerie zu gehen und frisches Baguette zum Frühstück zu kaufen. Meine Freunde zum Abendessen zu treffen und hinterher mit ihnen an der Seine zu sitzen. Die vielen kleinen Momente, in denen man glücklich darüber ist, an diesem Ort zu sein.

Ich kann nur jedem empfehlen, ins Ausland zu gehen! Denn für alles, was man aus Deutschland und von zuhause vermisst, gibt es mindestens zwei Dinge im Ausland, die es zuhause nicht gibt. Auf jeden Heimwehmoment folgt ein Glücksmoment über die Freude, an einem neuen Ort zu sein. Die Erlebnisse und Freunde und alles was man kennenlernt kommen einem vor wie ein Traum, so bald man wieder zurück ist. Jedem, der Lust auf Neues hat, neugierig ist auf die Fremde und auch die Euphorie der Reise fühlen will, kann ich nur empfehlen, den Schritt zu wagen. Und vielleicht wird irgendwann, ohne dass man es merkt, die Fremde zum Zuhause.  
Der Anfang ist natürlich nicht ganz leicht, alles ist neu und unvertraut und ich hatte oft ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch. Oft zieht man sich dann eher zurück, will sich langsam an die neue Situation gewöhnen und lieber noch viel Kontakt nach Hause halten. Ich hatte meine Eltern plötzlich so lieb wie nie zuvor und konnte nicht mehr verstehen, warum sie mir manchmal auf den Wecker gehen! Aber gerade wenn einer dieser Momente kommt, muss man das Haus verlassen und sich selbst einen Ruck geben. Das Vermissen wird weniger und weicht eher eine Vorfreude auf Zuhause. Oft entspricht die momentane Situation nicht den Erwartungen… aber gerade daraus entstehen die besten Erlebnisse! Irgendwann kommt dieser irrationale Moment, in dem man kaum fassen kann, dass man wirklich dort ist und noch weniger begreifen kann, dass die Zeit irgendwann um ist. Ich hatte diesen Moment, als mich ein Freund mit dem Motorroller nach Hause gefahren hat. Es war schon dunkel und wir fuhren durch die nächtlichen Straßen auf den beleuchteten Eiffelturm zu und an der Seine entlang.  Paris, je t’aime!